Die "richtige" Befragung.

Bild: gfs bern
Bild: gfs bern

Nach einem Wahlsonntag folgt traditionellerweise die Diskussion darüber, welche Meinungsumfrage das genauere Wahlresultat erhoben hat. Der Markt für Abstimmungsumfragen in der Schweiz ist klein.

 

Für die Abstimmung vom 27.11.16 zum Atomausstieg haben sich vorgängig zwei Befragungen medial aufgedrängt; die „offizielle“ SRG-Trendbefragung, erhoben durch die gfs Bern sowie die Tages Anzeiger-Befragung.

 

Die repräsentative Telefonbefragung von gfs ermittelte einen JA-Anteil von 48%, die (gewichtete) Online Befragung vom Tages Anzeiger hingegen einen JA-Anteil von 57%. Wir wissen, der effektive JA-Anteil betrug schlussendlich nur 45%.

 

Beide Befragungen haben nicht den späteren Sieger vorhergesagt. Auch bei den US-Präsidentschaftswahlen bekleckerte sich die Mafo-Branche nicht gerade mit Ruhm. Warum dies?

 

In der Gewissheit, dass gfs wie auch Tages Anzeiger ihre Befragungen mit dem ‚richtigen‘ Mafo -Handwerk durchgeführt haben (Grundgesamtheit, Stichprobenstruktur) spielt bei Befragungen zum Abstimmungsverhalten ein weiteres Merkmal eine oft unterschätzte Wichtigkeit: die Validität.

 

Validität steht für die Gültigkeit der erhobenen Daten. Wie lange ist denn nun eine Marktforschung gültig? In der Regel solange wie sich im Markt keine relevanten Merkmale verschieben. In dem Moment, wo sich eine relevante Eigenheit des Marktes verändert (neuer Marktteilnehmer, mediales Interesse, Tiefpreisoffensive des Mitbewerbers etc.), ist eine Befragung mit Vorsicht zu geniessen.

 

Was passiert nun, wenn die Medien über die Befragungsresultate zur bevorstehenden Abstimmung berichten? Die JA- bzw. NEIN-Komitees erhöhen ihre Kommunikation, die Medien schreiben Kommentare und Analysen. Und dadurch erfolgt die wohl grösste Veränderung innerhalb des Marktes, nämlich die Aktivierung der Passivwählerschaft, welche jetzt merkt, dass ihr Wunschabstimmungsergebnis gefährdet ist und es auf jede Stimme ankommt.

 

Die Diskussionen um die Wahl der Befragungsmethode (Telefon / Online) hat ihre Berechtigung, aber der Hauptgrund für Abweichungen bei Abstimmungsbefragungen liegt im nachträglich veränderten Verhalten der Wählerschaft. Und somit in der Validität der erhobenen Daten. Befragungen zu Abstimmungen haben ihre Berechtigung. Sie sind wichtige Informationsquellen für die Parteien, Medien und für die Bevölkerung und sie zeigen den momentanen Stand der Dinge auf.  

 

Was Wahlforschung aber definitiv nicht ist, sind Prophezeiungen der kommenden Abstimmungsergebnisse. Dies weiss auch Claude Longchamps, der Mastermind der Schweizer Wahlforschung. Er verweist immer wieder darauf. Nur wollen das Medien und Bevölkerung nicht immer wahrnehmen.

 

Marktforschung ist mehr als ein Blick in die Glaskugel. Es ist die statistische Annäherung an die Wirklichkeit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

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